Der Tuntenball  Award presented by MJAM geht jedes Jahr an Personen, die in ihrem täglichen Leben beschließen, Initiative zu ergreifen und dadurch mit ihrem Engagement für die LGBTIQ Community einen inspirierenden Schritt in die richtige Richtung machen. Dieses Jahr wurde  das Projekt “Fußball für Alle“ wurde vom Österreichischen Fußball-Bund (ÖFB) und der Bundesliga ausgezeichnet.

Von Debs Siebenhofer

Joe Niedermayer, Organisator des Tuntenballs, weiß, dass Veränderung häufig viel Mut bedeutet: „Vor allem im männlichen Fußball braucht es oft viel Überwindung, um sich als schwul zu outen. Die meisten Spieler machen dies auch erst nach beendeter Karriere. Für das Engagement, sich aktiv mit dem Thema Homosexualität im Fußball zu befassen, bekam der Verein ‘Fußball für Alle’ dieses Jahr den Tuntenball Award.“ Gestaltet wurde dieser heuer von Wild Design.

Gegen Diskriminierung

„Fußball für Alle“ wurde vom Österreichischen Fußball-Bund (ÖFB) und der Bundesliga gegründet, um ein klares Zeichen gegen Diskriminierung jeglicher Art im heimischen Fußball zu setzen. Es ist eine unabhängige Ombudsstelle, die als direkte Anlaufstelle für alle LGBTIQ Personen im Fußball offen ist – seien es Spieler*innen, Fans oder Funktionär*innen. Die Agenden des Ombudsmannes hat Oliver Egger übernommen, selbst Fußballer beim FC Gratkorn und als Hauptdarsteller des Films „Der Tag wird kommen“ der erste österreichischer Fußballspieler, der offen und öffentlich zu seiner Homosexualität steht. Joe Niedermayer möchte durch den Courage Award die Wichtigkeit des Vereins betonen und Motivation für die Zukunft geben: „Der ÖFB, die Bundesliga und Oliver Egger arbeiten hier in einem oft homophob geprägten Umfeld, in dem Outings von Spieler*innen eine große Hürde darstellen. Wir bewundern die Arbeit von ‘Fußball für Alle’ und wollen die Beteiligten für ihren Einsatz auszeichnen.“ Entgegen nahmen den Award der Ombudsmann Oliver Egger sowie sein Kollege Ingo Mach, die gemeinsam mit Bundesligavorsitzenden Christian Ebenbauer vor dem Ball zum Verein „Fußball für Alle“ befragt wurden.

 Oliver Egger Ombudsmann „Fußball für Alle“

„Fußball ist meine große Leidenschaft und ich werde mich von niemandem einschränken lassen.“

Warum ist es gerade im Fußball wichtig, dass es eine Anlaufstelle für LGBTIQ Personen gibt?
Oliver Egger:

Weil es im Fußball leider noch immer starke homophobe Tendenzen gibt. Von Fangesängen und Spruchbänden im Stadion bis hin zu ablehnenden Trainern*innen und Mitspieler*innen ist die ganze Bandbreite gegeben. Und deshalb wollen wir mit der Unterstützung des ÖFB und der Bundesliga die Atmosphäre im Stadion und in den Vereinen dahingehend verbessern, dass alle willkommen sind – egal welche sexuelle Orientierung sie haben.

Was wünschen Sie sich für den Verein „Fußball für Alle“?

Ich wünsche mir, dass der Verein in absehbarer Zeit nicht mehr gebraucht wird, weil sich die Situation in den Stadien und Vereinen so gebessert haben wird, dass ein diskriminierungsfreier Raum entstanden ist. Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg.

Was bedeutet es für Sie, die „Goldene Panthera“ zu gewinnen?

Ich fühle mich einfach nur geehrt! Der Preis bedeutet mir enorm viel und ist so etwas wie das I-Tüpfelchen. Alles fing einst mit einem zufälligen Gespräch mit Joe Niedermayer und dem Vereinsmitglied Hans-Peter Weingand über Fußball an und führte über einen Pride-Artikel und einen runden Tisch des ÖFB und der Bundesliga zum Thema Homophobie im Fußball schlussendlich zur Gründung und Leitung von „Fußball für Alle“. Das ist schon ein enormer Glücksfall für mich. Der Preis motiviert mich weiterzuarbeiten, weiterzukämpfen und für alle da zu sein, die Hilfe brauchen.

Ingo Mach – Präventive Fanarbeit ÖFB

„Fußball ist für alle da!“

Ihr Aufgabenbereich beim ÖFB ist die präventive Fanarbeit. Was bedeutet das genau?
Ingo Mach: Mit Hilfe von Prävention soll das Verhalten der Fußballfans in Hinblick auf Diskriminierung jeglicher Art minimiert werden. Die präventive Fanarbeit passiert direkt vor Ort im Stadion. Ein weiterer wichtiger Bestandteil ist Bildungsarbeit mit Jugendlichen und jungen Fans abseits der Spiele zu den Themen Gewaltprävention, Homophobie, Rassismus, Extremismus und Diskriminierung.

Aus welchen Gründen haben Sie sich persönlich für die Gründung des Vereins „Fußball für alle“ eingesetzt?
Mir persönlich war es wichtig, hier einen ersten Schritt zu setzen, um gegen Homophobie im Fußball vorzugehen. Natürlich wird es noch einige Jahre dauern, bis das Problem der Homophobie in allen Köpfen der Menschen angekommen ist, aber jede lange Reise beginnt mit dem ersten Schritt.

Warum ist präventive Fanarbeit im Fußball so wichtig?

Durch die Fanarbeit im Fußball soll aufgezeigt werden, dass es Grenzen gibt, die nicht überschritten werden dürfen. Der ÖFB heißt jeden Menschen in der Fußballfamilie willkommen. Diskriminierung hat hier keinen Platz. Aus diesem Grund ist Aufklärung besonders wichtig, um zu zeigen, dass der Fußball für eine weltoffene Haltung steht.

Christian Ebenbauer Vorstandsvorsitzender Bundesliga

„Fußball ist mehr, als nur ein Sport.“

Warum war der Bundesliga die Gründung des Vereins „Fußball für Alle“ wichtig?

Christian Ebenbauer: Die Bundesliga hat in ihrem Leitbild die Vorbildfunktion im österreichischen Sport verankert – insofern haben wir gemeinsam mit den Klubs auch gesellschaftliche Verantwortung. Wir wollen unseren Beitrag leisten und Bewusstsein beim Thema Homophobie schaffen.

Was kann ein Verein wie „Fußball für Alle“ verändern?

Die Ombudsstelle ist ein wichtiger Mosaikstein, um für mehr Respekt und Offenheit im Fußball zu sorgen. Der Fußball ist ein Spiegelbild der Gesellschaft und auch in der Gesellschaft passieren Veränderungen nicht von heute auf morgen. Aber mit den richtigen Maßnahmen, einer Mischung aus öffentlichkeitswirksamen Zeichen und proaktiver, präventiver Arbeit, kann man jedes gesellschaftliche Klima Stück für Stück verbessern. Das wollen wir in unserem Bereich schaffen.

Wo soll der Weg des Vereins „Fußball für Alle“ hinführen?

Ich hoffe, dass sich der Verein mit immer weniger konkreten Vorfällen und dafür mehr mit einer allgemeinen Bewusstseinsschaffung beschäftigen kann. Unabhängig davon, wen man im Privatleben liebt, ist nämlich unsere große Gemeinsamkeit, dass wir alle den Fußball lieben. Wir sehen den Tuntenball Courage Award gewissermaßen als Vorschusslorbeeren und vor allem als Aufgabe und Verantwortung, in diesem Bereich weiterhin aktiv zu bleiben.

Der Beitrag erschien im diesjährigen Tuntenball-Magazin Panthera, das gesamte Magazin finden sie hier.