Was wäre ein Tuntenball ohne unsere wundervolle Miss Desmond? Wie ein Leben ohne Sinn, wie ein Tonic ohne Gin. Und ohne Gurke. Die schönste Liebeserklärung aller Zeiten von unserer allerliebsten Tuntenball-Mutti:

 

Erzähl uns doch mal von deiner „Liebesgeschichte“ mit dem Grazer Tuntenball!

Diese Liebesgeschichte hatte ihren Anfang vor über zwanzig Jahren, als ich als ganz junges Ding auf meinem ersten Tuntenball war. Ich trug ein aus Gardinen selbstgenähtes Kleid und war schrecklich aufgeregt. Der Abend war in jeglicher Hinsicht zauberhaft, es gab ja damals so gut wie keine größeren Partys und Veranstaltungen und so freute ich mich um so mehr über die Gelegenheit als große Dame durch den Saal zu huschen. Und, was soll ich sagen, der Blitz schlug ein, Miss Desmond war geboren und meine Liebe zum Ball dauert noch immer an.

 

Miss Desmond

Unsere Miss Desmond. © Andy Joe

 

Wie hat alles angefangen?

Ich wollte von Anfang an mitarbeiten, aber es hat einige Jahre gedauert, bis Miss Desmond 2002 ihr erstes Konzert auf dem Ball gesungen hat. Irgendwann wurde ich gefragt, ob ich mir vorstellen könnte zu moderieren – und wie ich mir das vorstellen konnte!

 

Wie stellst du dir eure gemeinsame Zukunft vor?

Ich hoffe, dass wir beide blühen, wachsen und gedeihen und uns dabei die gute Laune, das gedeihliche Zusammenarbeiten und das Gin and Tonic niemals ausgehen wird.

 

Gab es Höhen und Tiefen?

Ja, und beides wurde immer ausführlich und gebührend zelebriert. Denn selbst wenn ich fast von der Bühne fiel, war es unter dem Strich immer ein großes Hallo!

 

Was hat sich in den vergangenen Jahren verändert?

Das Tolle am Tuntenball ist, dass er sich immer wieder von selbst verjüngt, und dass neben den langjährigen und bewährten MitarbeiterInnen die vielen neuen jungen freiwilligen HelferInnen immer wieder frischen Wind reinbringen. Dasselbe spiegelt sich auch in den GästInnen wider. Der Ball schafft es mittlerweile, die unterschiedlichsten Bevölkerungsgruppen anzusprechen und zu faszinieren und animiert das Publikum eine ausgelassene, rauschende und lustvolle Ballnacht zu feiern.

 

Miss Desmond am Tuntenball

Unser Stern Miss Desmond am Tuntenball 2017. © Andy Joe

 

Wenn du – in undenkbar weit entfernter Zukunft – mal auf den Ball zurückschauen wirst, was wirst du sehen/empfinden?

Dass es in dieser Welt viel zu wenig Schönes gibt, der Tuntenball aber definitiv dazu gehört. Er ist eine gelebte Utopie des friedlichen Miteinanders, unabhängig von sexuellen Orientierung, Identität, Hautfarbe, Religion oder Herkunft. An diesem einen Abend hab ich das herrliche Gefühl die Mutti einer 2500köpfigen Familie zu sein und dass mit der Welt noch nicht alles im Argen ist.

 

Welche Erinnerungen haben sich bei dir besonders eingeprägt?

Es sind zu viele Erinnerungen und viel zu viele Gin and Tonics gewesen, aber als eine 98-jährige, kleine, alte Dame am Stock aber mit Federboa mit freudestrahlenden Augen auf mich zukam und sagte, es wäre schon immer ihr Traum gewesen auf einem richtigen Kostümball das Tanzbein zu schwingen und dass all ihre Erwartungen von diesem prachtvollen Ball übertroffen wurden.

 

Wenn du dir etwas für die Zukunft des Balls wünschen könntest, was wäre das?

Dass niemals der letzte Tuntenball kommen möge.

 

Könntest du dir ein Leben ohne den Ball vorstellen?

Kannst du dir Pralinen ohne Füllung vorstellen?