Genderfluid

Nicht-binär, genderfluid, transsexuell — viele Begriffe, mit denen ein*e Otto-Normal-Hetero nicht immer etwas anfangen kann. Doch was ist Genderfluid wirklich und was bedeutet es für die Personen, die sich damit identifizieren?

Text von Verena Fussi

 

Genderfluid bezeichnet laut dem Queer-Lexikon eine Geschlechtsidentität, die sich mit der Zeit oder bezogen auf bestimmte Situationen ändert. Es beschreibt einen dynamischen Wechsel von Geschlechtern, wie zum Beispiel von männlich zu weiblich, oder auch von weiblich zu nicht-binär. Nicht-binäre identifizieren sich also nicht als Mann oder Frau, sondern als beides gleichzeitig oder als weder männlich noch weiblich. Unter genderfluid versteht man auch den Wechsel von nicht-binär zu agender. Agender Personen werden auch genderless genannt: Sie fühlen sich keinem Geschlecht
zugehörig oder können mit dem Konzept von Geschlecht nichts anfangen.
Mehr Schubladen, nicht weniger! Weniger Schwarz und Weiß, mehr Grautöne!

Die Möglichkeiten scheinen also unbegrenzt. Genau damit beschäftigt sich auch iO Tillet Wright, der das „Self Evident Truths“-Projekt in den USA startete, um die Bandbreite der Geschlechter darzustellen. Er fotografierte mehr als zehntausend Menschen, die sich nicht als 100 Prozent hetero identifizieren. In seinem Ted Talk nennt er es „50 shades of gay“. Er spricht von den bekannten Schubladen, in die wir andere Menschen stecken, um jemanden einordnen zu können und auch um eine Verbindung zum Gegenüber herzustellen. Diese Schubladen oder Kategorien sind laut Wright zu eng gedacht. Die Lösung? Mehr Schubladen, nicht weniger! Weniger schwarz und weiß, mehr Grautöne. Die Geschlechtsidentität genderfluider Personen ändert sich also und ist nicht zwingend außerhalb der Geschlechterbinarität, männlich und weiblich, zu verorten.

 

(c) Sharon McCutcheon on Unsplash

 

Shelby, eine genderfluide Person, erklärt es so: „Ich bin genderfluid, weil ich kein Tomboy bin. Mein ganzes Leben wurde mir gesagt, das ist es, was ich bin. Aber an den Tagen, an denen ich mich ‚genderneutral‘ fühlte, wusste ich, es ist mehr als ein ‚Tomboy‘ zu sein. Es ist etwas anderes.“ Ein Tomboy ist eine Person, der bei der Geburt das Geschlecht weiblich zugewiesen wurde, die sich aber in ihrem Verhalten und auch in ihrer Geschlechtspräsentation männlich gibt. Bei diesem Wechsel der Geschlechter von genderfluiden Menschen geht es also vielmehr um den internen Prozess der Personen, der

nicht vordringlich etwas mit Äußerlichkeiten und Sexualität zu tun hat. Shelby bringt es auf den Punkt: „Genderfluid ist für mich eine Antwort. Es ist eine Antwort auf das Gefühl, das ich als Kind hatte, als ich zum ersten Mal wie ein Junge aussah und es liebte und am nächsten Tag das süße Kleid liebte, das ich trug. Es ist eine Antwort auf all die Verwirrung, die ich fühlte, als ich aufwuchs.“

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