Mit dem Aufruf „Wir suchen die Hete des Jahres!“ wurde dieses Jahr zum ersten Mal in der Geschichte des Grazer Tuntenballs presented by T-Mobile die Öffentlichkeit dazu angehalten, Menschen aus ihrem Umfeld für den Couragepreis „Goldene Panthera“ zu nominieren.

Der Tuntenball-Award ist eine besondere Auszeichnung, die an Menschen mit herausragendem Engagement für die homo-, bi- und trans- und inter- Community verliehen wird. Der Preis, der heuer bereits zum vierten Mal von SchülerInnen der HTBLA Hallstatt entworfen wurde, ist nicht nur eine Wertschätzung für außergewöhnlich engagierte Personen, sondern soll auch die Öffentlichkeit dazu bewegen, mehr Akzeptanz gegenüber LGBTQ-Themen zu zeigen.

Unter zahlreichen berührenden Nominierungen befand sich auch eine Einsendung von Georg Kroneis, der seinen Cousin Tom Lohner nominierte: „Tom ist jemand, der nicht nur mir, sondern allen Menschen völlig offen gegenübersteht. Jede Art von Unterschied ist ihm völlig gleichgültig. Er macht das ganz selbstverständlich, er lebt diese Art des Seins. Jemanden zu treffen, bei dem man sich gar nicht erst outen muss, weil man spürt, dass das völlig irrelevant ist – das ist eine eigenständige Qualität, die mir optimal erscheint.“

Mit Freude dürfen wir nun auch offiziell verkünden, dass der Tuntenball-Award am 24. Februar 2018 beim diesjährigen Grazer Tuntenball presented by T-Mobile an Tom Lohner verliehen wird.

 

Tom Lohner vor einem seiner Werke

Unsere „Hete des Jahres“ und Preisträger der Goldenen Panthera: Tom Lohner

Menschen wie Tom Lohner sind für uns und alle Mitglieder der LGBTQ-Community von besonderer Bedeutung, da sie als Vorbild dienen. Denn auch sonst sollte es selbstverständlich sein, dass jedeR die Person lieben darf, die er nun mal liebt und dass es gar keiner weiteren Erklärung bedarf. Tom Lohner ist ein Mensch, der unserer Gesellschaft vorlebt, dass Akzeptanz gegenüber allen gelten muss.

 

Zwischen Christbaumkauf und Ateliertermin hat sich Tom Lohner die Zeit genommen, uns einige Interviewfragen zu beantworten:

 

Weißt du eigentlich, wer dich für den Tuntenball-Award nominiert hat?

Ja, das war mein Cousin Georg. Wir sind vom Alter her nicht weit auseinander und obwohl wir oft in verschiedenen Städten oder gar Ländern gelebt haben, ist der Kontakt nie abgebrochen. Ich hab ihm immer schon nachgeeifert, weil Georg schon früh außergewöhnlich leidenschaftlich Musik gemacht hat. Dieses Ausleben seiner Leidenschaft hat mich schon immer fasziniert und mich dazu bestärkt, meiner eigenen Leidenschaft, der Malerei, zu folgen. Als zwei kreative Menschen haben wir uns auch schon das ein oder andere Mal gegenseitig inspiriert. Unser Verhältnis ist viel mehr freundschaftlich als verwandtschaftlich. Wir haben uns immer gegenseitig in dem, was wir tun, bestärkt und sind glücklich und stolz über die Erfolge des anderen.

 

Was bedeutet die Auszeichnung des Tuntenball-Awards für dich?

Ich muss ehrlich zugeben, ich war schon arg überrascht, weil ich eben nichts von der Nominierung gewusst habe. Ich kann es nicht anders ausdrücken. Einfach nur geil, dass ich überhaupt nominiert und noch unglaublicher, dass ich als Gewinner ausgewählt worden bin. Natürlich gehen einem da viele Gedanken durch den Kopf. Allem voran Dankbarkeit. Denn die Nominierung bedeutet, dass ich mindestens einen Menschen mit meiner Lebensart dazu inspiriert habe, sich in meiner Gegenwart wohl zu fühlen. Die Auszeichnung bestärkt mich natürlich in dem Wissen, dass ich mit meiner Art, den Menschen zu begegnen, auf dem richtigen Weg bin. Mir ist es einfach wichtig, dass ich jedem Menschen, die Sicherheit geben kann, dass er oder sie sich angenommen fühlt. Einfach das Gefühl zu bestärken: „Ich bin okay, so wie ich bin“.

 

Warst du schon einmal Gast am Grazer Tuntenball und kanntest du den Tuntenball-Award?

Ich war selbst schon zwei Mal Gast am Grazer Tuntenball. Daher freue ich mich heuer umso mehr, dabei zu sein. Die Goldene Panthera war mir natürlich schon ein Begriff. Das Lustige ist, dass ich heuer auch an einem Wettbewerb um den Green Panther Award teilgenommen habe. Mein Manager hat damals scherzhaft gemeint, der Green Panther Award wäre schon gut, die Goldene Panthera allerdings noch besser. Dass das alles jetzt wirklich passiert, beweist mir nur wieder, dass alles, wovon man zu träumen wagt, Wirklichkeit werden kann. Und dass man deshalb auch aufpassen muss, was man sich wünscht.

 

Du bist ja international aufgewachsen. Denkst du, dass das auch zu deiner Offenheit beigetragen hat?

Meine Eltern sind, als ich drei Jahre alt war, nach Amerika gezogen. Wir sind dort geblieben, bis ich im Volksschulalter war. Es ist ja allgemein bekannt, dass man in Amerika zwar von einem jeden mit einer oberflächlichen Freundlichkeit angenommen wird. Es hat aber lange dauert, bis man tiefe Freundschaften aufgebaut hat. Als ich dann nach Österreich zurückgekommen bin, waren viele Menschen verschreckt von dieser „outgoing attitude“. Weil ja meiner Meinung nach in Österreich das Gefühl vorherrscht, dass man erst einmal schaut, wie der Neue denn so ist. Die Leute sind eher schüchtern. Sie trauen sich nicht gleich zu sagen, was sie denken. Das Warme und Offene, das selbstverständlich auch in den Österreichern steckt, kommt manchmal erst später an die Oberfläche.

Meine „happy attitude“, die ich mir in meiner Kindheit angewöhnt habe, hat es mir dann manchmal doch ein bisschen schwer gemacht. Diese ist oft auf Unverständnis gestoßen.

 

Gab es für dich prägende Erlebnisse im Bezug auf Toleranz oder Courage?

Für mich war meine Schulzeit die prägendste Phase im Bezug auf mein Toleranzverständnis. In dieser Zeit habe ich ein bisschen die Außenseiterrolle gespielt. Ich hatte zwar schon immer eine Hand voll wirklich gute Freunde, trotzdem hieß es oft: „Ach, das ist der Tom, der lebt in seiner Fantasiewelt.“ Das Unverständnis, auf das ich damals gestoßen bin, hat mich schon sehr verletzt. Mit der Zeit habe ich aber gelernt, dass mich genau diese Sachen, die mich anscheinend anders und speziell machen, auch gleichzeitig einzigartig und besonders sein lassen. Irgendwann später trifft man dann auf Menschen, die einen genau dafür akzeptieren und wertschätzen. Ich habe selber erfahren, wie weh es tun kann, wenn dir nicht die nötige Toleranz entgegengebracht wird. Wenn dir ständig vermittelt wird, dass dein Anderssein von manchen als komisch empfunden wird. Besonders solche Erfahrungen haben dazu beigetragen, mich zu dem toleranten Menschen zu machen, der ich heute bin. Denn anderen Menschen diesen seelischen Schmerz zuzufügen, der aus intolerantem Verhalten resultiert, möchte ich mir niemals vorwerfen müssen.

 

 

Was würdest du heute deinem jüngeren Selbst empfehlen?

Ich bin ja vor kurzem erst Vater geworden. Charlie, meine Tochter, ist jetzt sieben Monate alt. Ich bin schon gespannt, wie sie sich entwickelt und hoffe auf ein gutes Vatersein. Da schleicht sich natürlich auch die Frage ein, was man einem so jungen Menschen mit auf den Weg geben will. Mein größter Wunsch wäre ihr zu verinnerlichen : „Sei stolz auf dich als Person, sei glücklich wie du bist. Versuche das beste DU zu sein, das du sein kannst. Denn jeder Tag kommt nur einmal. Manchmal scheinen wir zu vergessen, dass das Leben endlich ist. Auch wenn wieder einmal ein grauer Montag vor der Tür steht, denke daran: Es ist DEIN grauer Montag und es ist ein weiterer Tag, der dir geschenkt wird und den du nutzen kannst, um deiner Leidenschaft nachzugehen. Und wenn man sich diese Dankbarkeit für jeden Tag immer wieder ins Bewusstsein ruft, kann man gar nicht traurig durch die Welt gehen.“

 

Von welchen Werten lässt du dich bei deinen täglichen Handlungen und Entscheidungen leiten?

Das klingt jetzt zwar wirklich banal, aber einfach jeden Menschen so zu behandeln, wie man selbst gerne behandelt werden würde. Schon Kleinigkeiten wie ein „Bitte“ und „Danke“ sind ein Zeichen des Respekts für sein Gegenüber.

 

Was würdest du den Menschen in ihrem Umgang miteinander gerne ans Herz legen?

Jeden Tag wirklich zu verinnerlichen und wertzuschätzen. Wenn wir jeden Tag positiv annehmen, können wir auch unseren Mitmenschen positiv gegenübertreten.

 

Was machst du eigentlich genau beruflich?

Beruflich bin ich wirklich Künstler und Maler. Ich bin also der, der seine Ideen auf die Leinwand raufklatscht und glücklicherweise kommt das bei den Leuten gut an. Mittlerweile hab ich auch schon ein kleines Team hinter mir. Meine Projekte werden so umfangreich, dass ich das alles alleine gar nicht mehr schaffen würde. Ich bin so dankbar über mein Team, das immer voll hinter mir steht. Ohne diese Menschen würde das alles gar nicht mehr gehen.

 

Künstler muss man nicht werden, Künstler ist man. Was hat dich dazu bewegt dein „Künstlersein“ zu deinem Hauptberuf zumachen?

Ich habe immer schon gerne gemalt und es war mein Traum, später als Künstler zu leben. Meine Eltern und mein Bruder standen in dieser Sache immer total hinter mir und meinten: „Werde der, der du werden möchtest.“  Ich hab dann Design in London studiert und auch gleich einen richtig guten Job bekommen. Irgendwann hab ich dann meinen jetzigen Manager getroffen. Dieser hat mich dazu gedrängt, mich voll auf meine Kunst zu konzentrieren und das Design erstmal eine Weile ruhen zu lassen. Anfangs war ich wenig überzeugt. Ich hab zwar immer mal wieder Bilder von mir verkauft, aber davon leben konnte ich nicht. Seiner Beharrlichkeit und seinem Glauben an mich und mein künstlerisches Schaffen ist es zu verdanken, dass ich mich schließlich auf seinen Vorschlag, mich vier Monate ausschließlich aufs Malen zu konzentrieren, eingelassen habe. Ich hab dann wirklich nur gemalt, damit wir irgendwie eine Ausstellung zusammenkriegen. Die war dann restlos ausverkauft. Seitdem darf ich von meiner Leidenschaft der Kunst leben. Ich bin so extrem dankbar, weil es nicht selbstverständlich ist, in so eine schöne und helle berufliche Zukunft zu blicken. Ich freue mich so auf all die Projekte, die jetzt 2018 auf mich und mein Team zukommen, und das nur, weil ich so gerne male und mich getraut habe, meiner Leidenschaft zu folgen.

 

Was ist für dich Quelle der Inspiration?

Inspiration ist für mich alles. Die Welt ist meine Inspiration.

 

Was möchtest du mit deiner Kunst ausdrücken?

Mit jedem neuen Projekt oder Bild möchte ich etwas schaffen, das mir persönlich voll taugt – über ein Thema, für das ich gerade brenne. So entstehen Bilder, die meine persönliche Ästhetik ansprechen. Ein persönlicher Bonus kommt dann dazu, wenn die Leute sagen „Wow, sowas habe ich noch nie vorher gesehen!“. Es kommt manchmal vor, dass mich Leute, die ein Bild von mir gekauft haben, Monate später anrufen und sagen, dass sie gerade wieder ein neues Detail entdeckt haben. Das freut mich dann immer besonders, weil ich in meine Bilder viele versteckte Botschaften und Details einbaue, die auf den ersten Blick gar nicht zu entdecken sind und auch nicht zu erfassen sein sollen.

 

Denkst du, dass sich gerade die Kunstszene für ihre Akzeptanz für verschiedene Liebes- und Lebenskonzepte auszeichnet?

Natürlich präsentiert sich die Kunstszene gerne als frei und offen. Doch gerade im Bereich der Menschen, die Kunst sammeln und sich diese auch leisten können und wollen, trifft man oft auf extrem konservative Menschen. Die sind dann zwar auch offen im Bezug auf Kunst, kommen aber oft erstmal ein bisschen kritisch gegenüber Andersartigkeit und Vielfalt rüber. Da war ich dann auch schon manchmal in der persönlichen Zwickmühle.  Ich dachte mir: „Shit, mit dem kann ich meine Leidenschaft und meine persönliche Lebensvorstellung so gar nicht teilen.“ In solchen Fällen habe ich gelernt, dass es in jedem Menschen einen Knackpunkt gibt. Den muss man finden, damit sie in ihrer Akzeptanz über ihre konservativen Barrieren hinauswachsen können. Das kann ich ganz gut: Menschen eine Richtung oder einen Weg, nämlich den, den ich zu gehen pflege, vorzuzeigen, der dann in mehr Akzeptanz für alles und alle geht.

 

Siehst du dann genau darin deinen Beitrag für mehr Akzeptanz?

Ich muss ehrlich zugeben, dass mir dieser Wandel, den ich manchmal in Menschen auslöse, gar nicht sofort bewusst ist. Ich würde eher sagen, dass mich meine Eltern so erzogen haben. Ihnen war immer wichtig, aus mir einen sozial denkenden Menschen zu machen, der sein Gegenüber mit Wertschätzung und Respekt behandelt. Angefangen mit dem Besuch einer Integrationsklasse bis hin zu späteren Erfahrungen, die ich als Zivildiener mit Klienten sammeln durfte. Es klingt jetzt vielleicht alles zu schön, um wahr zu sein, aber es gibt für mich einfach nichts anders als die bedingungslose Selbstverständlichkeit einen jeden Menschen so anzunehmen wie er ist.

 

Hast du deine eigene Definition für Liebe?

Ich war ja schonmal verheiratet und das hat leider dann doch nicht so hingehaut. Wir haben zwar wirklich eine tolle Zeit miteinander gehabt, aber waren dann doch irgendwo zu unterschiedliche Menschen. Meine Eltern haben mir immer gesagt: „Man merkt das, wenn man den Menschen findet, für den man bestimmt ist.“ Irgendwann ist mir dann Nina über den Weg gelaufen und auf einmal hab ich genau gewusst, was sie damit gemeint haben. Durch Nina erlebe ich eine Beziehungsliebe, die mich noch nie jemand zuvor hat spüren lassen. Und jetzt ist da seit sieben Monaten auf einmal diese Familienlieb. Sie überrollt mich wie eine gewaltige Welle jeden Tag aufs Neue. Auf einmal bist du Papa und die Liebe, die du empfindest, ist noch stärker und intensiver als man sich das jemals hätte vorstellen können. Es gibt so viele verschiedene Formen von Liebe, die man so vielen verschiedenen Menschen gegenüber empfinden kann, die aber alle in ihrer Reinheit des Gefühls und Schönheit der Sache an sich völlig gleichwertig sind.

 

Weißt du schon, wer dich heuer auf den Grazer Tuntenball presented by T-Mobile begleiten wird?

Georg, mein Cousin, kommt auf jeden Fall mit, aber der ist ja sowieso jedes Jahr mit dabei. Nina wird mich natürlich begleiten und wir haben auch schon überlegt, ob wir unsere Eltern einladen sollen. Egal in welcher Konstellation: Wir werden bestimmt eine bunte Truppe.

 

Das Thema ist ja heuer „Let´s Play“. Hast du schon eine Idee für dein Kostüm?

Nina und ich wollen uns auf jeden Fall ein Gemeinschaftskostüm ausdenken. Wir haben schon überlegt Dompteur und Löwe, aber das war uns dann zu sehr in Richtung Zirkus gehend. Nina ist ja Architektin und auch extrem kreativ. Gerade überlegen wir di Richtung „Casino“ oder „Monopoly“. Egal was es schlussendlich wird, wir werden unser Kostüm auf jeden Fall gemeinsam entwerfen und Nina wird es präzise planen.

 

 

 

Verrate uns noch, was früher dein Lieblingsspiel war und worauf du dich schon freust mit deiner Tochter zu spielen?

Ich hab als Kind eigentlich am liebsten gezeichnet. Wenn ich dann gespielt habe, war das auf jeden Fall DKT oder Monopoly. Ich freu mich besonders auf alle kreativen Sachen, die ich später gemeinsam mit Charlie machen werde. Jetzt mit sieben Monaten baue ich ihr gerne Türme aus Holzbausteinen auf, weil sie es liebt die dann umzuhauen.

 

Wir freuen uns sehr am Samstag den 24. Februar 2018 die Goldene Panthera im Zuge des Grazer Tuntenballs presented by T-Mobile THOMAS LOHNER zu überreichen. Falls ihr auch dabei sein wollt, wenn Tom seinen Preis entgegennimmt, könnt ihr euch gleich hier Tickets für den Tuntenball sichern.

 

Wir wollen uns abschließend bei allen Nominierten, deren Geschichten wir erfahren durften bedanken, dass sie uns darin unterstützen, dass in der Gesellschaft alle L(i)ebensformen gleich viel wert sind.

 

*Fotos zur Verfügung gestellt von Tom Lohner